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Eine zweite Chance

Als ich ihn das erste mal sah, wollte ich mich abwenden. Der Anblick war einfach zu schrecklich. Wir trafen ihn in einer Imbissstube in Erdenet, ca. 500km von Ulaanbaatar entfernt. Er war schmutzig und verwahrlost, doch sein Gesicht bot einen noch schlimmeren Anblick. Die Hälfte des Gesichtes, Nase, Mund, ein Ohr und der gesamte Hals waren eine einzige, geschwollene, offene Wunde. Erdenbatgal (16) hatte im Kanal geschlafen. Als ein Leck entstand und heißes Wasser austrat, wurde er furchtbar verbrannt. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt war er wieder ein Jahr lang auf der Straße. Er hatte fürchterliche Schmerzen, denn seine Verletzungen waren überhaupt nicht verheilt. Jetzt lebt er bei uns im Kinderhaus, seine Wunden werden behandelt und er kann ein neues Leben beginnen.
Seine Familie, die sich sonst nicht um ihn kümmerte, sondern nur mit regelmäßigen Schlägen versah, brachte ihn ins Unfallkrankenhaus der Hauptstadt. Dort wurde er zwei Monate lang behandelt. Sie nahmen Haut von den Oberschenkeln, um die offenen Stellen im Gesicht zu schließen. Doch er ging zurück auf die Straße, bevor die Wunden heilen konnten.
Dort lebte er fast ein Jahr ohne ärztliche Behandlung, mit schrecklichen Schmerzen, die er durch Alkohol betäubte. Manchmal gaben Christen ihm zu essen. Er begann, einen Gottesdienst zu besuchen und machte einen Anfang mit Jesus.
Als wir ihn vor ein paar Wochen fanden, wussten wir sofort, dass Gott uns ruft, ihm zu helfen. Einer unserer Mitarbeiter fuhr nach Erdenet, um ihn abzuholen. Als er ihn nach zwei Tagen Suche endlich fand, war Erdenbatgal sofort bereit, mitzukommen. Nun lebt er in unserem Kinderhaus und wird liebevoll versorgt. Demnächst wird er ins Krankenhaus gehen, wo erstmal die Wunden zuheilen sollen. Wir hoffen, einen Arzt zu finden, der ihn später operiert und sein entstelltes Gesicht wiederherstellt.

Abschied von einem Freund

Am 17.08. um 5.00 morgens starb unser kleiner Munchbat. Er hatte extreme Mangelerscheinungen und viele Krankheiten, denen sein viel zu kleiner, stark geschwächter Körper einfach nicht gewachsen war. Sein Leben dauerte nur drei Jahre, die meiste Zeit davon war gekennzeichnet von Leid und Drangsal. Doch Gott hatte sein Elend gesehen und eingegriffen. Die letzten vier Monate seines Lebens verbrachte er , zusammen mit seiner Schwester, in unserem Kinderhaus. Dort hatte er alles was er brauchte, genug zu Essen, ein weiches Bett, lebensnotwendige Medizin, Gemeinschaft, liebevolle Betreuung ...  und darüber hinaus wurde er sogar zum Segen für alle anderen!
Obwohl er drei Jahre alt war, wog er nur 8,7 Kilo, sein Brustkorb war viel zu klein für Herz und Lunge. Seine Entwicklung hatte mit ca. 8 Monaten fast gänzlich gestoppt, als seine Mutter ihn und seine Schwester bei anderen Verwandten abgab, die sich nur sehr dürftig um die beiden kümmerten. Doch Gott hatte sein Elend gesehen und eingegriffen. Ein Beamter des Distriktes fragte uns an, ob wir die beiden Kinder nicht aufnehmen könnten. Munchbat lebte vier Monate bei uns im Kinderhaus und war ein echter Segen. Er wurde von allen Seiten mit Liebe überschüttet. Die anderen Kinder lernten durch ihn, von ihren eigenen Problemen wegzuschauen und das weiterzugeben, was sie empfangen haben.
Über einen Monat war er wegen einer zusätzlichen Lungenentzündung im Krankenhaus
auf der Intensivstation, wo die Ärzte um sein Leben kämpften. Gott tat ein Wunder und stellte ihn soweit wieder her, dass er nach 6 Wochen entlassen werden konnte. Im August konnte er sogar mit allen anderen Kindern zusammen Ferien auf dem Land machen. Gott hat ihm am Ende seines kurzen Lebens noch vier erfüllte Monate geschenkt, in denen er keinen Mangel mehr leiden musste und sein Leben genießen konnte. „Ganz nebenbei“ hat Gott ihn auch noch benutzt, für das ganze Kinderhaus ein Segen zu sein.
Bei der Beerdigung gaben viele Kinder Zeugnis über das, was sie alles durch Munchbat gelernt haben und das er ihnen eigentlich viel mehr gegeben hat als umgekehrt.

Wenn Träume wahr werden
„Mein Name ist Otgonbayer, ich bin 22 Jahre alt. Ich habe fast mein gesamtes Leben im Waisenhaus verbracht, einsam, ohne Familie, ohne Hoffnung. Niemand hat an mich geglaubt, mich gefördert oder ermutigt. Die kleineren Kinder sind dort völlig unter der Herrschaft der Größeren, ihnen hilflos ausgeliefert. Es war eine schlimme Zeit für mich. Ich habe mich zurückgezogen, viel gelesen. Als ich älter wurde, teilte ich ebenfalls reichlich Schläge und Druck aus. Mein Weg in eine kriminelle Zukunft schien vorgezeichnet ... Vor ein paar Jahren kamen Christen ins Waisenhaus und erzählten uns von Jesus. Ich wollte das zuerst gar nicht hören. Aber durch ein Buch, was ich als Weihnachtsgeschenk bekam, wurde ich aufmerksam. Ich fing an, die regelmäßigen Treffen der Christen im Waisenhaus zu besuchen. Das hat mit gut gefallen, besonders die Anbetung. Eines Nachts hatte ich einen Traum: Viele Kinder waren zusammen und Jesus mitten unter ihnen. Sie haben getanzt und hatten sehr viel Spaß zusammen. Daraufhin bekehrte ich mich zu Jesus. Mein ganzes Leben hat sich seitdem total verändert. Es ist fast wie ein Traum, aber wahr: Als ich volljährig wurde, musste ich das Waisenhaus verlassen. Ich wurde bei HELP in einer Wohngemeinschaft aufgenommen und durfte meinen Wunschberuf erlernen, Koch. Ich bekam Arbeit in einem der teuersten Restaurants der Stadt, wo ich auch heute noch arbeite. Vor kurzem habe ich meine Familie gefunden und meine Geschichte erfahren. Meine Mutter hatte mich als sechs Monate altes Baby abgegeben, ich habe noch sechs ältere Geschwister und weiß nun auch, wer mein Vater ist. Ich habe zu allen Verbindung aufgenommen, habe jetzt eine gute Beziehung zu meiner Mutter. Jesus redet viel zu mir durch Träume, er gibt mir Frieden, Freude – ich habe keine Angst mehr. Auf meiner Arbeitsstelle bezeuge ich Jesus und er stellt sich zu mir. Ich bekomme fast jeden Sonntagmorgen frei, so dass ich keinen Gottesdienst verpassen muss. Manchmal verteile ich die Essensreste der Pizzeria, wo ich arbeite, unter einigen Straßenkindern. Ich wünsche mir, dass auch ihre Träume eines Tages wahr werden!“

Solongo und Gima

Solongo und Gima kennen sich schon lange und gut. Sie haben einen ähnlichen Familienhintergrund und im Alter von 13 Jahren einen folgenschweren Weg eingeschlagen:Die Flucht aus ihren zerrütteten Familien auf die Straße. Sie waren in derselben Bande und schnell zerplatzte ihre Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Der harte Überlebenskampf auf der Straße, wo sie Gewalt, Missbrauch und Kriminalität schutzlos ausgesetzt waren, hinterließ seine tiefen Spuren. Wir kannten sie schon länger von unseren Einsätzen auf dem Markt und Bahnhof, aber sie waren noch nicht so weit, auszusteigen. Doch unsere Freundschaft und Gottes Liebe ließen sie nicht unberührt und sie fassten sich ein Herz, es ganz neu zu versuchen. Wir hatten keine Wohnung oder gar Haus, wo wir sie und noch ein Mädchen aufnehmen hätten können. Aber Liebe findet immer einen Weg und so zogen wir zu sechst in ein Ger. Im gemeinsamen Leben ging es hoch her, aber nach und nach siegte Jesu Liebe, die sie nun auch ganz praktisch kennenlernten: Leben im Licht, Vergebung und Versöhnung, Heilung. Viele Tränen flossen, aber es kam auch immer mehr Lebensfreude und Vision in ihr Leben. Solongo und Gima sind beide sehr musikalisch und lieben es, zu singen und den Gott, der ihr Leben neu gemacht hat, anzubeten. Das tun sie auch in der Anbetungsband unserer Gemeinde und auf vielen Einsätzen mit dieser Band in Schulen, Gefängnissen, etc. Beide sind jahrelang nicht zur Schule gegangen, aber haben in einer Schule, die speziell auf diese Situation zugeschnitten ist, die Klassen nachgeholt und zählen zu den Besten. Gima will Lehrerin werden, Solongo Wirtschaftswissenschaften studieren. Sie sind nun erste Schritte in ein selbstverantwortliches Leben gegangen und aus der Kinder-WG, ihrer Familie, ausgezogen. Sie leben zu viert in einer von uns begleiteten WG. Ihr Zeugnis ist weithin bekannt und spricht Bände von einem Gott, dem nichts unmöglich ist.

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