Winter-Notschlafstelle (von Dezember 09 -1. März 2010 mit 720 Übernachtungen)
Auf den Straßen und in den Kanälen von Ulaanbaatar leben ca. 12´000 Männer! Die meisten von ihnen sind alkoholabhängig. Ihre Lebensumstände sind sehr hart, Kälte, Gewalt und Krankheiten machen den Leuten zu schaffen. Die meisten überleben die Straße nur 3-5 Jahre lang.
Zusätzlich zur Betrunkenenrettung können bei uns nun nach Umbauarbeiten auch bis zu 50 Männer und Frauen von der Straße warm und sicher übernachten. Heiße Mahlzeit und Dusche sind begehrt, oftmals eiternde Wunden, die sie sich bei Handgreiflichkeiten, an aufgeplatzten Heißwasserrohren oder durch Erfrierungen zugezogen haben, werden behandelt. Doch das Beste, was wir unseren Freunden von der Straße zu geben haben, ist, sie wissen zu lassen, dass sie wertvoll und geliebt sind. Dass es Hoffnung gibt für ihre zerstörten und gebundenen Leben.
Tumee
Nach zehn Jahren Gefängnis war er auf der Straße gelandet, wo er sich schon bald als Boss durchsetzte. Er hatte ein paar Mal bei uns übernachtet und sich mit einem der Mitarbeiter tiefer über sein Leben und Jesus unterhalten. Als er wieder einmal in einem Hauseingang übernachtete, sah er plötzlich ein Licht und das Gesicht eines Mannes, den er für einen Russen hielt. „Jetzt werde ich verrückt“ sagte er zu seinem Freund, der nichts sah. Die Augen des Mannes waren fest aber liebevoll auf Tumee gerichtet. Schließlich dämmerte es ihm: „Das muss dieser Jesus sein, von dem ich gehört habe!“.
Tumee glaubte ab dieser Stunde an Jesus, hörte auf zu trinken, verließ die Straße und pflegt nun seine bettlägerige Mutter. Er liest eifrig die Bibel und ist geistlich hungrig und offen. Auch wenn noch manches in seinem Leben im Argen liegt und er manchmal stolpert: Gott wird ihn nicht fallenlassen.
Die positive Atmosphäre in der Notschlafstelle wird auch von der Polizei wahrgenommen, wenn sie betrunkene Leute bei uns abgeben. Und sie nutzen die Gelegenheit, sich bei uns umzuschauen.
Wir sind dankbar für ihre Kooperation in schwierigen Situationen, z.B. während der Einlasszeit, wenn sie uns helfen, am Hoftor das Gedränge abzufangen..
„Ist das hier die Ausnüchterungszelle oder was?“ An die vergangene Nacht konnte er sich nicht mehr erinnern. Nur, dass er mit Freunden getrunkenen hatte. 80% Sprit, wie man ihn im Krankenhaus verwendet. Ist das Billigste. Zugegeben, auch ganz schön ätzend in Hals und Magen... Er verspürte brennenden Durst. Wie er in dieses Haus kam - ein einziges Rätsel. Hotel, Krankenhaus, oder was? Jedenfalls nicht die Ausnüchterungszelle der Polizeistation Ulaanbaatar. Die sah ganz anders aus. Und wenn man nicht schon von jemandem auf der Straße Prügel bezogen hatte, dann spätestens da. Und von wegen Decke und Kopfkissen, auch kein Erbrochenes oder Urin am Boden, die verdreckten, verpinkelten Kleider frisch gewaschen und auf dem Heizkörper getrocknet... „Wo bin ich nur gelandet? Wie soll ich so einen Übernachtungsort bezahlen? Wie kann ich mich jetzt aus dem Staub machen...?”
So oder ähnlich sind die Reaktionen und Kommentare der meisten Betrunkenen, wenn sie morgens in unserer Notschlafstelle aufwachen. Dass unser Nachtrettungsteam sie von den eiskalten Straßen hierher gebracht hat, wissen sie nicht mehr. Spätestens beim Frühstück fragen sie nach den Details der letzten Nacht. Andere sind nicht zur Ruhe zu bekommen, sie reden ohne Ende, manche zetteln Streit mit ihren Zimmerkollegen an, wieder andere wollen gehen und können sich nicht mal auf den Beinen halten...
Auf der Strasse gefunden
In den "Rettungswagen"
Im vergangenen Winter haben wir als Team von 14 Helfern ca. 2´000 km auf den Straßen und holperigen Wegen der Gerdistrikte von UB zurückgelegt und dabei knapp 50 Männern helfen können. Es werden weniger. Man kann viele Gründe für den Rückgang der Zahl der Erfrierungstoten oder Verletzten anführen. Einer davon ist sicher: Gott erhört Gebete. Es werden auch mehr und mehr Christen auf dieses Problem aufmerksam und spüren Gottes Herz und Auftrag, diese Menschen zu retten und auch dauerhaft zu befreien. Ein großer Auftrag, der Gottes Wunder braucht, aber dieses Land verändern kann.
Betrunkenen-Rettung In den Wintermonaten, wo die Temperaturen bis zu 40 ° C erreichen, sterben Betrunkene, die auf der Straße hinfallen und nicht mehr aufstehen, innerhalb kürzester Zeit. Noch mehr bekommen schwerste Erfrierungen, die meist Amputationen zur Folge haben. In der Hauptstadt Ulaanbaatar sterben so laut Statistik jede Nacht sieben Leute auf den Straßen. Unser Team ist jeden Abend mit dem Kleinbus unterwegs und nimmt die Betrunkenen mit in unsere Notaufnahme. Dort nüchtern sie bis zum nächsten Morgen aus und hören beim Frühstück auch das Evangelium.
Ziel: Ganz praktisch die Rettung von Menschenleben. Im Winter 2006 konnten auf diese Weise ca. 90 Männer und Frauen gerettet werden!
Vor dem Erfrieren gerettet!
Uns liegen die am Herzen, die sonst keiner beachtet.
Notaufnahme
Wir haben ein Notaufnahmehaus mit 7 Betten, wo wir zusätzlich zur Rettung von Betrunkenen kurzfristig auch andere Leute aufnehmen können, z.B. Frauen und Kinder, die zu Hause Gewalt erleben durch alkoholisierte Männer und Väter; Leute, die einfache medizinische Versorgung benötigen; Übergangszeiten von Krankenhausaufenthalten; Obdachlose; Familien, die Hilfe bei der Wiederherstellung ihrer Beziehung benötigen.
Frühstück in der Notunterkunft.
Wir haben im Winter hinter dem Schwarzmarkt, wo viel illegal mit Billigalkohol gehandelt wird, viele Menschen vor dem sicheren Tod retten können. Wir wünschen uns, dass dieser Ort, der jetzt bekannt ist für Gewalt und Probleme, ein Ort des Friedens und der Hoffnung wird. Jungen, Mädchen, Männer und Frauen jeden Alters hängen mehr oder weniger betrunken dort herum. Immer wieder flammen Streitereien auf; die Atmosphäre ist geprägt von Gewalt, Prostitution und Deals. Schon bei unserem ersten Besuch reagierten die Leute sehr offen. Sie spürten sofort, dass mit uns etwas anders ist, nämlich Jesus in uns, der unaufhörlich liebt. Sie sind so hungrig nach Annahme und echtem Leben. Wir setzten uns einfach nur mitten unter sie. Nach erstem Misstrauen kamen sie auf uns zu. Ein Mann, der aus einem grossen Fass Saft verkaufte, spendierte uns einen Drink nach dem anderen. Viele stellten interessierte Fragen, andere ließen für sich beten. Wir werden sie von jetzt an regelmäßig besuchen. Gott hat Hoffnung für alle Menschen!
Es gibt Hoffnung
Die neue Männer-Generation!
Wie geht es weiter? Bewegt durch die Erlebnisse während des Winter-Rettungsdienstes haben sich zwei mongolische Männer rufen lassen, weitere Schritte zur Befreiung Alkoholabhängiger zu gehen. So fand im Sommer das erste „Befreiungscamp“ statt. Sie nahmen einige Männer, die frei werden wollten, mit aufs Land, und lebten, arbeiteten einfach mit ihnen zusammen. Gott wirkte Wunder in ihrem Leben, sie hatten überhaupt keine Entzugserscheinungen.
Ungefähr 90% aller mongolischen Männer haben ein Problem mit Alkohol. Sie nehmen dadurch negativen Einfluß auf ihre Familien, auf ihre Umgebung, letztlich auf die ganze Nation. Viele Familien zerbrechen, Kinder werden misshandelt und fliehen auf die Straße; die meisten Strafgefangenen begehen ihre Taten unter Alkoholeinfluß.
WIr möchten den Männern helfen, aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Mit Gottes Hilfe ist alles möglich. Wir möchten sehen, wie sie frei werden und ihre Rolle als Väter, Ehemänner, Leiter in der Gesellschaft wieder einnehmen.